Geschichte

Die ersten Zeugnisse menschlicher Präsenz auf dem Gebiet der Castelli Romani stammen aus dem Frühpaläolithikum (vor 300.000-200.000 Jahren) und bestehen aus Werkzeugen aus Feuerstein – ungeschliffene zersplitterte Kieselsteine, aber auch Faustkeile, die auf beiden Seiten bearbeitet wurden, um daraus eine primitive Klinge zu formen- , die in dieser Gegend entdeckt wurden und dem Neandertaler zugeordnet werden.

Die ersten Völker, die sich dauerhaft in der Gegend der Castelli Romani ansiedelten waren die Latiner, ein Gemisch aus indoeuropäischen Völkern, die sich im antiken Latium (das Latium Vetus von Plinius d. Älteren, das sich vom Süden des Flusses Tibers ausgehend bis zum Kap der Circe ausdehnte) seit der Zeit 2000 v. Chr. niederließen.

Schon vier Jahrhunderte vor der Gründung Roms hatten hier die Latiner ihre Städte angesiedelt – Alba Longa, Tusculum, Ariccia, Lanuvium, Velitrae, um nur einige aufzuzählen - , welche sich unerschütterlich in einem Bund zusammengeschlossen hatten, der sogenannten Lega Latina (Latinischer Städtebund).

Das Herz des religiösen und politischen Lebens des Städtebundes befand sich auf dem antiken Berg Mons Albanus, der heute Monte Cavo genannt wird, wo der heiligen Tempel des Giove Laziale (Iuppiter Latiaris) errichtet worden war und wo man jedes Jahr die Feriae Latinae feierte, die aus einer Reihe von Festlichkeiten bestanden bei denen sich die Völker der Lega wiedersahen und ihre gegenseitigen Freundschafts- und Bündnisbindungen erneuerten.

Die Latiner waren den Römern drei Jahrhunderte lang ein Dorn im Auge und es kam zu zahlreichen Schlachten, in denen die Römer versuchten, sie zu unterwerfen. Aber trotz der Zerstörung ihrer Hauptstadt Alba Longa im VII. Jahrhundert v. Chr. (angeordnet von Tullus Hostilius und der Überlieferung nach dem Sieg der Horatier über die Curatier zugeschrieben), wurde die Lega Latina erst drei Jahrhunderte später im Jahre 338 v. Chr. endgültig unterworfen und folglich aufgelöst. Seit dieser Zeit gehörten die Albaner Berge zum Herrschaftsgebiet Roms.

Im Jahre 193 n. Chr. befahl Septimius Severus den Bau der Castra Albana (römische Heereslager, aus denen später das heutige Albano Laziale hervorging), wo er die zweite parthische Legion unterbringen ließ, die als Leibwächter des Kaisers fungierte.

Wichtige Persönlichkeiten des antiken Roms bevorzugten die Albaner Berge und errichteten hier ihre Residenzen. Um nur einige aufzuzählen, hatte hier zum Beispiel der Kaiser Domitian einen riesigen Grundbesitz, der den gesamten Albaner See umfasste, während Caligula im Nemi-See zwei schwimmende verankerte Luxusvillen besaß.

Die Barbaren-Invasionen, die die italische Halbinsel erschütterten und im Jahre 476 n. Chr. zum Fall des westlichen Imperium Romanums führten, erzeugten auch in den Colli Albani das sogenannte „Befestigungs"- Phänomen, d.h. das Flüchten der Bevölkerung in höher gelegene Gegenden, die ihnen Schutz vor den Raubzügen der Barbaren gewährten. Verschiedene Adelsfamilien errichteten hier ihre Hochburgen, um die sich im Laufe der Jahrhunderte die Dörfer entwickelten, aus denen dann im Nachhinein die Castelli Romani wurden.

Ausgehend vom X. Jahrhundert begann der Aufstieg der mächtigen Familie der Conti di Tuscolo (Grafen von Tusculum), die sich in der antiken Stadt Tusculum niederließen. Es war ein Mitglied dieser Familie, das 1004 dem Hl. Nilus (San Nilo) den Grundbesitz schenkte, auf dem der Mönch die Abtei von Grottaferrata gründete.

Auch nach dem Niedergang des Imperiums hörte die Stadt, die die „Hauptstadt der Welt" (caput mondi ) war, nicht auf über die Colli Albani zu herrschen, welche jedoch im Laufe der folgenden Jahrhunderte de facto in den Besitz der Kirche von Rom übergingen, welche schrittweise die Eigentümerin des gesamten Grund und Bodens der Gegend wurde.

Im Verlauf des gesamten Mittelalters war das Gebiet der Castelli Romani der Schauplatz ständiger Machtkämpfe zwischen den wichtigen römischen Feudalfamilien, von denen viele Familienmitglieder dem hohen Klerus angehörten.

1167 besiegten die Kaisertruppen von Friedrich I. Barbarossa die päpstlichen Truppen von Alexander III. in der Schlacht von Prata Porci, unterhalb von Monteporzio Catone. Anschließend, als sich das kaiserliche Heer zurückgezogen hatte, zerstörte Rom die Städte Albanum und Tusculum , da sie in den obengenannten Ereignissen Partei für den Kaiser gegen die Römische Kirche ergriffen hatten.

1379, ein Jahr nach dem Beginn des Abendländischen Schismas, trat das bretonische und gaskonische Söldnerheer des Gegenpapstes Clemens VII. gegen die Truppen von Papst Urban VI. in der berühmten Schlacht von Marino an, in der die päpstlichen Garden einen endgültigen Sieg errangen.

1433 rebellierten die römischen Barone gegen Papst Eugen IV. und entfesselten damit einen Krieg, in den im Verlauf von drei Jahren verschiedene Orte der Castelli Romani verwickelten wurden, und der seinen Höhepunkt im Jahre 1436 in der Zerstörung von Albano Laziale als Werk des päpstlichen Heeres unter dem Hauptmann Vitelleschi erreichte.

1501 wurde auch Marino, Lehnsgut der mächtigen Familie Colonna, im Krieg der Barone gegen Papst Alexander VI. dem Erdboden gleichgemacht.

Zuallerletzt, als im Jahre 1527 die Landsknechte Rom plünderten, wurden auch die Castelli Romani , besonders Marino und Velletri, ausgeraubt und zerstört; in diesem Gemetzel wurde Frascati jedoch durch das wundersame Eingreifen, das die Volksfrömmigkeit der Jungfrau Maria zuschrieb, gerettet.

Seit der Mitte des sechzehnten und bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts erlebten die Castelli Romani eine Blütezeit relativen Friedens und Stabilität. Im Verlaufe dieser beiden Jahrhunderte wetteiferten die römischen Adelsfamilien mit dem Bau, der Verschönerung und der Restaurierung ihrer luxuriösen Landsitze und ihrer eleganten Parks und Gärten. Darüberhinaus bereicherten sie das Gebiet mit wichtiger Infrastruktur und städtebaulichen Elementen von hohem Wert. Die bedeutendsten Beispiele sind vor allem die berühmten Tusculanischen Villen, die zwischen Frascati, Monteporzio Catone und Grottaferrata liegen, wie auch das Städtchen Ariccia (mit dem wichtigen von Bernini entworfenen Komplex der Piazza Repubblica , des Palazzo Chigi (Chigi-Palast) und der Chiesa dell'Assunta (Kirche der Heiligen Jungfrau)), wie auch der Palazzo Pontificio di Castelgandolfo (Papstpalast von Castelgandolfo), der Palazzo Sforza-Cesarini (Sforza-Cesarini Palast) von Genzano, der Palazzo Colonna (Palast der Colonna) in Marino, der Palazzo Ferrajoli (Ferrajoli-Palast) in Albano etc.

Der Frieden in den Castelli Romani endete in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, als der österreichische Erbfolgekrieg vor allem Velletri miteinbezog, wo im Jahre 1744 die spanisch-napoletanischen Truppen des Königs Karl von Bourbon den österreichischen Truppen entgegentraten und einen geschichtlichen Sieg über diese errungen, der das Überleben des Königreiches beider Sizilien gewährte.

Ungefähr fünfzig Jahre später kam es durch den napoleonischen Italienfeldzug zur französische Besetzung bis Rom, bei der auch die Orte der Castelli Romani erschüttert und dem Heiligen Stuhl Territorien und Machtbefugnisse entzogen wurden. Nach der langen Periode der Restauration wurde der Kirchenstaat 1870 dem Italienischen Königreich angeschlossen und mit ihm auch das Gebiet der Castelli Romani.

Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung und die Verbesserung des Straßen- und Eisenbahnnetzes gelang schon im Jahre 1856 unter dem Pontifikat von Pius IX . mit der Neueröffnung der beiden Eisenbahnlinien Rom-Frascati und Rom-Velletri, denen bald die Linien Rom-Grottaferrata, Frascati-Grottaferrata-Genzano und Grottaferrata-Rocca di Papa folgen sollten.

Dies führte dazu, dass die Castelli Romani für die Römer zum bevorzugten Ziel für renommierte Ausflüge vor den Toren Roms wie auch ebenso für ihre Sommeraufenthalte wurden. Während des zweiten Weltkriegs erlitten dann so gut wie alle Orte der Castelli Romani Bombardierungen und Zerstörungen.

Heute gehören die Castelli Romani zu den am meisten geschätzten touristischen Zielen Latiums, sowohl wegen ihrer berühmten önogastronomischen Spezialitäten als auch wegen der Schönheit ihrer Landschaft, die dank der Einrichtung dieser Gegend zum Parco Naturale Regionale dei Castelli Romani (Natur- und Regionalpark Castelli Romani) sorgfältig erhalten wird.